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Zwischen Atemzügen

Das Leben geschieht. Wir glauben zu handeln, zu entscheiden, zu lenken, doch vielleicht ist alles, was wir tun, nur eine Bewegung im Strom, der längst eine Richtung kennt. Der Gedanke an Kontrolle ist tröstlich, aber wahrscheinlich eine Illusion. Manchmal bleibt nur das Bewusstsein selbst. Kein Ziel, keine Bedeutung, nur das reine Wissen, dass etwas ist.…
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Zwei Gräber

Ich liebte dich,weil du sie liebtest.Deine Hände hielten sie,als sie längst nur noch Schatten war.Du bliebst,als andere flohen,sprachst mit ihr,als sie schon schwieg.Doch an dem Tag,an dem wir sie wieder betrauerten,hast du dich selbst begraben.Nicht im Grab,sondern in mir.Jetzt stehe ich zwischen zwei Verlusten,zwei Gräbern,und habe mich noch nicht getraut,ihm Blumen zu bringen.
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Herbstblues

Die Blätter fallen,als hätten sie genug von den Bäumen.Sie treiben auf dem Wind wie Gedanken, die ich nicht halten kann.Die Tage werden kürzer,das Licht schleicht sich heimlich fort,und ich sitze zwischen Zwielicht und mir selbst.Jede Straße riecht nach Abschied,jede Bank erzählt von stillen Stimmen.Ich höre sie nur,wenn ich den Atem anhalte und die Stille zulasse.Vielleicht…
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Wenn Worte Spuren bleiben

Wenn Worte Spuren bleiben,gleiten sie durch stille Räume,fließen wie Licht über alte Mauern,berühren, ohne zu greifen,verweilen, ohne sich zu zeigen.Sie wehen durch die Luft,getragen von einem Atem,der kaum spürbar,und doch unvergänglich ist.Jede Silbe hinterlässt ein Echo,jedes Wort einen leisen Abdruck,der sich in Gedanken webt und dort weiterlebt,wo Augen ihn nicht sehen,wo Herzen ihn fühlen.
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Wenn du nicht mehr fliegst von Mariska von Waldstetten

Das Gedicht ist erschienen im Band „Salzchroniken„, erschienen bei Steffen Marciniak in dessen 9 Reiche Verlag. Dieses Gedicht ist ein einziger Sturz, poetisch, körperlich, seelisch.Schon die erste Zeile zieht einen hinab: „wenn du nicht mehr fliegst / wird am ende die erde dich halten“ – ein Satz, der tröstlich klingen könnte, wäre da nicht der…
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Hinterglas

Die Hände zittern über verschlossenen Türen,das Herz liegt hinter Glas, glänzend und zerbrechlich.Jedes Wort fällt wie ein Tropfen,Scherben brechen leise auf der Oberfläche.Gefühle hängen in der Luft wie Nebel,zu nah, zu fremd, zu verletzlich.Man sehnt sich nach Nähe, nach Wärme, nach Vertrauen,und doch zieht man sich zurück,aus Angst, dass Berührung Schmerz wird.Mut liegt wie ein…
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Holocaust Stolperzeilen von Boris Greff

Das Gedicht ist erschienen im Band „Aus meinen Gedanken verrissen“, erschienen im Athena-Verlag.Dieses Gedicht lässt mich nicht los.Es ist kein Lesen, eher ein Stolpern, ein Atemholen zwischen den Zeilen. Jedes Wort trägt Gewicht, jedes Schweigen hallt nach.„Holocaust Stolperzeilen“ spricht von etwas, das nicht zu fassen ist.Von Schreien, die nie verstummt sind, von einem Vergessen, das…
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Als ich im Sterben lag von I.J Melodia

Das Gedicht ist erschienen im Band „Polaritäten„, erschienen im Geest-Verlag Dieses Gedicht spricht leise und kalt, fast ohne Bewegung.Es schaut dem Tod ins Gesicht, ohne Pathos, ohne Tränen.Die Stimme darin weiß, dass das Ende längst begonnen hat –nicht erst im Sterben, sondern im Leben selbst.Die Bilder brennen sich ein:Nachrichten in Flammen, ein Kind im Sandkasten,das…
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hoff ich von Karin Klug

Das Gedicht ist erschienen im Band„bleibdawenndugehst“, erschienen in der Buchschmiede Manchmal braucht es nur wenige Worte, um etwas in mir zu berühren.Dieses Gedicht gehört dazu.Es ist still, fast schüchtern, und trotzdem voller Gefühl.Die „Seelenkrümel“ zwischen den Zeilen – ich spüre sie.Vielleicht, weil auch ich schreibe, um etwas von mir zu hinterlassen.Nicht viel, nur ein Stück,…