Du hast uns zurückgelassen.
Bei ihm.
Du hast gewusst, wie er ist.
Wie laut, wie betrunken, wie grausam.
Und trotzdem bist du gegangen.
Was warst du für eine Mutter,
die wegsah,
die schwieg,
die sich dünn machte,
statt uns zu schützen?
Ich war ein Kind,
kein Kollateralschaden
deiner verpfuschten Ehe.
Ich brauchte Schutz,
kein Schweigen.
Halt,
keine Flucht.
Du hast zugesehen,
wie wir zerbrachen.
Und ich frage mich:
Warst du blind?
Oder war dir einfach alles egal?
Ich habe so lange nach Gründen gesucht,
Entschuldigungen,
Hintergründen,
Trauma-Kulissen,
damit es weniger weh tut.
Damit du nicht so schuldig bist.
Damit ich nicht so verdammt allein war
in all dem.
Aber weißt du was?
Es war deine Aufgabe.
Es war dein Job.
Mutter zu sein.
Und du hast versagt.
Ich schulde dir nichts.
Keinen Trost.
Kein Verständnis.
Kein Mitgefühl mehr,
wenn meines nie zählte.
Ich lasse dich gehen –
nicht aus Versöhnung,
sondern weil ich dich
nicht länger mit mir tragen will.
Du bist zu schwer.
Ich bin fertig damit,
dich zu retten
in meinen Gedanken.
Ich bin nicht du.
Ich bleibe.
Ich beschütze.
Ich liebe –
mich selbst,
mein inneres Kind,
und alles, was du nie lieben konntest.
Leb wohl,
und diesmal meine ich es.
Abschied an meine Mutter (die nicht blieb)
