Wenn die Seele schreit

Es ist kein Schrei, den man hört. Es ist ein inneres Bersten. Ein Laut, der sich nicht formt. Ein Echo, das sich verhakt – zwischen Herz und Hals.
Meine Seele schreit. Nicht aus Trotz. Nicht aus Laune. Sondern weil sie zu lange still war. Weil sie zu viel geschluckt hat. Weil sie nicht mehr kann. Ich habe gelernt, still zu funktionieren.Tage zu überleben, ohne aufzufallen. Nächte zu überstehen, ohne zu zerbrechen – sichtbar.
Die Welt liebt es, wenn man leise leidet. Wenn man die Zähne zusammenbeißt. Wenn man lächelt, auch wenn es wehtut. „Du bist stark.“
Nein. Ich war nur oft allein. Meine Wunden tragen Kleidung. Meine Traurigkeit trägt Termine. Meine Angst trägt Höflichkeit. Und niemand sieht, wie schwer das alles ist.Ich bin nicht wütend auf Menschen, die es nicht wissen.
Ich bin wütend auf ein System,das verlangt, dass man funktioniert –selbst dann,wenn man innerlich kollabiert. Ich habe keinen Nerv mehr für leere Ratschläge, für diese Standardtröstungen,die immer nur sagen wollen: „Komm, sei wieder normal.“
Aber was, wenn ich das nicht kann? Was, wenn in mir etwas gebrochen ist, das nicht wieder heilt, nur weil jemand gute Absichten hat?Meine Seele schreit, leise, unaufhörlich, tief.Und manchmal – in einem Blick,in einem Satz, in einem Moment, der nicht wehtut – wird sie leiser. Nicht weil alles gut ist. Sondern weil jemand da ist. Weil ich atme,trotz allem. Weil ich schreibe,und der Text mich hält. Weil ich spüre: Ich bin noch da. Und vielleicht – ist das schon Hoffnung.

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