Ich war dein Schild.
Ich war dein Schrei nach Hilfe.
Ich war deine Wand zwischen Innen und Außen.
Ich habe gebrannt, wenn du geschwiegen hast.
Ich habe geblutet, wenn du zu lange stillgehalten hast.
Ich habe dich erinnert, wenn du alles vergessen wolltest.
Du hast mich gekratzt. Aufgeritzt.
Angestarrt im Spiegel,als wär ich ein Feind.
Dabei war ich nur da. Nur Oberfläche.
Nur das, was blieb.
Ich war übersät von Spuren.
Fingerabdrücke, die nie verschwanden.
Blutergüsse wie geheime Briefe.
Schnittlinien wie Versuche, etwas zu sagen, das keine Worte fand.
Ich war das erste Opfer und der letzte Zeuge.
Du hast mich verhüllt, damit keiner sieht, wie nah du am Rand warst.
Du hast mich entblößt, in Momenten, wo du dich selbst nicht mehr gespürt hast.
Ich habe Berührungen gezählt.
Die kalten. Die fremden. Die falschen.
Und die wenigen, die nicht weh taten – so zart,dass ich nicht wusste, ob ich träume. Ich war die Leinwand deiner Traurigkeit. Ich war die Projektionsfläche deiner Wut.
Ich war das Einzige, was du immer bei dir hattest – und doch am meisten verachtet hast.
Ich bin deine Haut.
Ich habe dich nicht verlassen.
Auch nicht, als du mich verletzt hast.
Ich habe dich gehalten, als du gefallen bist.
Ich habe alles mitgetragen, obwohl ich nicht gefragt wurde.
Ich bin das Buch, in dem niemand liest.
Die Geschichte, die nie jemand hören will.
Ich bin sichtbar. Und trotzdem übersehen.
Monolog der Haut
