Monolog des Weitermachens

Ich mache weiter.
Nicht, weil ich noch Kraft habe.
Sondern, weil das Aufhören keine Option ist, die sich wirklich anfühlt.
Ich mache weiter, weil niemand kommt, der es mir abnimmt.
Weil niemand fragt:„Willst du raus?“ nur:„Schaffst du das noch?“
Ich mache weiter, mit einem Körper, der sich anfühlt wie ausgeliehen.
Mit Gedanken, die nicht denken wollen.
Mit Erinnerungen, die wie Glassplitter unter jedem Schritt knirschen.
Ich mache weiter, obwohl ich weiß, dass kein Morgen kommt, das alles gut macht.
Ich warte nicht auf Erlösung.
Ich warte auf Ruhe.
Und bis dahin tue ich, was man tut, wenn nichts mehr trägt:
Ich tue so, als ginge es.
Ich tue so, als hielte ich mich fest.
Ich tue so, als würde es zählen.
Ich mache weiter, auch wenn der Atem flach bleibt, auch wenn mein Herz keinen Takt mehr kennt, der Hoffnung heißt.
Nicht,weil ich daran glaube, dass es besser wird.
Sondern,weil ich weiß, dass ich trotzdem nicht untergehen darf.
Nicht jetzt.
Nicht so.
Weitermachen heißt: Ich stehe auf, ohne zu wissen, wofür.
Ich esse, weil ich sonst verschwinde.
Ich schreibe, weil Schweigen noch mehr weh tut.
Ich mache weiter.
Nicht aus Stärke.
Nicht aus Trotz.
Nicht für irgendwen.
Ich mache weiter, weil in mir noch ein letzter,stummer, trotziger Teil lebt,
der sagt: „Du kriegst mich nicht. Nicht ganz. Nicht heute.“

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