Tanz mit den Schatten

Sie kommen, wenn die Welt still wird,
die Schatten, die ich nie ganz loswerde,
schleichen sich an, schlingen sich um mein Herz,
ziehen an meinen Gedanken, wie kalte Finger, die nicht loslassen.
Manchmal will ich sie wegstoßen,
kämpfe mit Fäusten gegen die Dunkelheit,
schreie gegen die Leere, die sie hinterlassen.
Doch sie sind stärker, sie kennen jede Schwachstelle,
jeden Schmerz, den ich verstecke.
Und dann gebe ich nach.
Lasse mich fallen, lasse sie tanzen,
in meinem Innersten, wo niemand sonst hinkommt.
Sie sind meine stummen Begleiter, flüstern alte Geschichten,
Narben, die ich nicht zeigen will, Wunden, die nie ganz heilen.
Der Tanz mit den Schatten ist kein Spiel.
Er ist schwer, zerrt an meinen Kräften,
zerreißt mich von innen.
Aber er ist auch ehrlich, bringt mich näher zu mir selbst,
zeigt mir, was ich verberge, was ich verdränge.
Ohne diesen Tanz wäre ich leer,
nur eine Hülle, die durch das Leben schwebt.
So drehe ich mich, mal taumelnd, mal geführt, im Rhythmus der Schatten,
lerne ihre Sprache,
akzeptiere ihre Dunkelheit,
bis sie ein Teil von mir werden — und ich endlich atmen kann.

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