Ich traue dem Morgen nicht.
Nicht nach Nächten wie dieser.
Nicht nach Jahren, in denen das Aufwachen keine Rückkehr war,
sondern ein Überfall.
Der Morgen kam nie wie ein Versprechen.
Er kam wie ein Befehl.
Steh auf.
Funktioniere.
Tu so, als wäre das Leben tragbar.
Ich habe lange gelernt, genau das zu tun.
Die Augen zu öffnen, bevor die Gedanken aufwachen.
Den Körper in Bewegung zu bringen, bevor die Angst sich wieder regt.
Ich traue dem Morgen nicht.
Weil er nicht fragt, ob ich bereit bin.
Weil er keine Rücksicht nimmt auf das,
was in mir noch nicht wieder ganz ist.
Aber ich schaue hin.
Nicht, weil ich Mut hätte.
Nicht, weil ich Hoffnung spüre.
Sondern weil Wegsehen mir nichts erspart hat.
Ich sehe den Staub im Lichtstrahl.
Das Knicken der Vorhänge.
Das Zittern meiner Hand,
die nach der Tasse greift.
Ich sehe mich.
Nicht ganz,nicht klar,aber da.
Ich bin nicht sicher, ob das reicht.
Aber ich bin da.
Und das ist vielleicht der Anfang von etwas,
das ich noch nicht benennen kann.
Etwas, das nicht Heilung heißt,aber Wärme zulässt.
Etwas, das nicht Frieden ist, aber der Gewalt widerspricht.
Etwas, das bleibt,wenn alle anderen gehen.
Ein Blick, ein Atemzug, ein leises Ich.
Ich traue dem Morgen nicht.
Aber ich schaue hin.
Und manchmal schaut etwas zurück,das sich wie Leben anfühlt.
Ich traue dem Morgen nicht
