Messer im Rücken

Sie standen da,
dicht gedrängt,
mit warmen Gesichtern,
freundlichen Stimmen,
und ich wollte glauben,
dass hinter mir wirklich Schutz war.
Doch dann kam das erste Brennen.
Ein kaum hörbares Knacken,
als Metall die Haut durchstieß.
„Nur ein Missverständnis“,
redete ich mir ein,
während Blut den Rücken hinablief.
Sie lächelten weiter.
Sagten: „Du bist stark. Wir glauben an dich.“
Und jedes Wort war eine neue Spitze,
die tiefer eindrang,
ohne dass ich wagte,
mich umzudrehen.
Irgendwann konnte ich die Kälte nicht mehr unterscheiden:
War es das Metall,
oder das Schweigen nach jedem Stich?
Ich lernte,
gerade zu stehen,
auch wenn meine Wirbelsäule ein Nagelbrett war.
Ich lernte,
zu lächeln,
während in mir ein Museum der Verratswaffen wuchs.
Und wenn heute jemand fragt,
warum ich misstrauisch bin,
warum ich nicht mehr glaube,
dass „Hinter dir“ Sicherheit bedeutet
– dann möchte ich antworten:
Weil mein Rückenein Friedhof aus Messern ist.
Weil jede Klinge einen Namen trägt.
Und keiner davon war Feind.

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