Die Welt in halber Stille

Jeder Ton ist ein Flüstern, das gegen die Wände meiner Ohren prallt und zerbricht. Stimmen, Schritte, Türen, das Klirren eines Glases – alles kommt gedämpft, verzerrt, bruchstückhaft. Ich erkenne nicht immer, was gesagt wird. Worte zerfallen zu Schatten, zu Fragmenten, zu brennenden Splittern, die sich in meinem Kopf festsaugen.

Manchmal spüre ich den Klang eher, als dass ich ihn höre – Vibrationen durch den Boden, die Luft, die Möbel, die Wände. Mein Herz nimmt sie auf, meine Knochen, meine Hände. Jeder Atemzug wird lauter, jeder Herzschlag ein eigenes Dröhnen, das sich mit der Welt mischt, sie formt, mich formt. Ich neige den Kopf, rüttle die Hände, suche den Ton, der mir entgleitet, versuche, ihn zu fassen, bevor er wieder verschwindet.

Die Menschen reden, lachen, schreien – und ich höre nur Bruchstücke. Ein Wort kommt klar, dann eine Pause, dann nur noch Stille oder Rauschen. Die Welt spricht, aber ich bin nie ganz dabei. Ich bin ein Echo in mir selbst, ein Beobachter, der alles spürt, ohne alles zu hören.

Stille ist lauter als jedes Geräusch. Sie drückt gegen mein Trommelfell, zieht sich in meinen Brustkorb, füllt jeden Atemzug. Ich spüre die Isolation, die Entfernung, die Distanz zwischen mir und der Welt. Ich möchte schreien, möchte verstehen, möchte mich verbinden – aber die Töne entgleiten mir, immer wieder.

Und doch ist da auch eine Art Klarheit.

In der halben Stille höre ich Dinge, die andere nicht wahrnehmen. Herzschläge, das Rascheln eines Blattes, den Druck der Luft auf der Haut, das Echo eines Raumes, das im Körper nachhallt. Ich lerne, auf den Körper zu hören, auf das Innere, auf das Unsichtbare.

Es ist ein Leben zwischen Klang und Schweigen, ein Leben auf der Grenze zwischen Hören und Spüren, zwischen Nähe und Isolation. Ich bewege mich darin, spüre, rieche, fühle, atme – und entdecke dabei neue Arten, die Welt zu erfassen.

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