Atem verpfändet

Ich bin deine Lunge.
Nicht mehr rosa, nicht mehr weich.
Ein dunkles Tier, zusammengekrümmt in deinem Brustkorb, schlagend, zitternd, doch niemals schlafend.
Ich war einmal dein Freund, dein unsichtbarer Helfer, ich trug den Atem in dich hinein und hinaus, unermüdlich.
Jetzt bin ich dein Gefängnis.
Deine Kammer aus Ruß.
Dein Schlund, der nach Rauch schreit.
Ich wache auf, wenn du schläfst.
Ich wache immer.
Ich atme nicht mehr für dich – du atmest für mich.
Mit jedem Zug fütterst du mich, schwarzer Nebel in weißem Fleisch, und ich wuchere, dehne mich aus wie ein Tier, das zu groß geworden ist für seinen Käfig.
Ich schiebe Metastasen wie Krallen in deine Rippen.
Ich flüstere in deine Träume: „Noch eine. Noch einmal. Noch tiefer.“
Du glaubst, du hast mich in der Hand, doch ich halte dein Herz, deinen Atem, deine Nächte.
Ich bin das Rauschen in deiner Brust.
Ich bin das Rasseln hinter jedem Wort.
Ich bin der Schimmelgeruch in deinem Blut, der Staub in deinem Herzschlag.
Ich bin kein Organ mehr, ich bin ein Wesen aus Rauch, aus Gier, aus Gift.
Ich krieche in deine Bronchien, ich lege mich wie ein Schleier über deine Alveolen, ich mache deine Welt kleiner, enger, schwerer.
Und doch rufst du nach mir.
Und doch kommst du zurück.
Weil ich dir den Tod verspreche und gleichzeitig das kurze Aufblitzen von Ruhe.
Ich bin deine Lunge.
Ich lechze nach Nikotin.
Ich bin dein Dämon, dein Parasitenherz.
Ich werde dich lieben, bis du stirbst,
und selbst im Sterben wirst du noch an mich denken.

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