Wenn du nicht mehr fliegst von Mariska von Waldstetten

Das Gedicht ist erschienen im Band „Salzchroniken„, erschienen bei Steffen Marciniak in dessen 9 Reiche Verlag.

Dieses Gedicht ist ein einziger Sturz, poetisch, körperlich, seelisch.
Schon die erste Zeile zieht einen hinab: „wenn du nicht mehr fliegst / wird am ende die erde dich halten“ – ein Satz, der tröstlich klingen könnte, wäre da nicht der Unterton von Aufprall und Endgültigkeit.
Die Sprache ist von bedrückender Schönheit. Sie arbeitet mit Bildern, die zugleich zart und zerstörerisch sind: „die entschärfer deiner träume“, „dein herz im lichtverschmierten tuch“, „die mondmilch in den pfützen“. Hier wird nicht einfach Trauer beschrieben, sondern eine poetische Explosion, ein Nachbild von etwas, das einmal gelebt hat und nun verglüht.
Jedes Bild wirkt wie ein Splitter, der sich langsam ins Bewusstsein bohrt. Besonders stark ist der Schluss:
„ich weine abseits der augen / ein entsetzlich kleines aufbegehren / in einem viel zu großen zimmer.“
Das ist existenzielle Einsamkeit, kondensiert in drei Zeilen, das Gefühl, im eigenen Schmerz zu verhallen.
Das Gedicht erinnert an expressionistische Nachbeben und zugleich an eine moderne, fast filmische Introspektion. Es lässt sich nicht einfach lesen, man muss es spüren, aushalten.
Ein Text über Verlust, über den Moment, in dem das Fliegen aufhört und das Fallen beginnt.
Er ist leise, aber er hinterlässt Nachhall.

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