Zwischen Atemzügen

Das Leben geschieht. Wir glauben zu handeln, zu entscheiden, zu lenken, doch vielleicht ist alles, was wir tun, nur eine Bewegung im Strom, der längst eine Richtung kennt. Der Gedanke an Kontrolle ist tröstlich, aber wahrscheinlich eine Illusion. Manchmal bleibt nur das Bewusstsein selbst. Kein Ziel, keine Bedeutung, nur das reine Wissen, dass etwas ist. Dieses Etwas, das wir Leben nennen, entzieht sich jeder Erklärung. Es ist da, unaufhörlich, und es fragt nicht nach Zustimmung. Wir suchen nach Sinn, als könnten wir ihn schaffen, wenn wir nur genug denken, glauben oder hoffen. Doch der Sinn, den wir finden, hält nie lange. Er zerfällt im Licht des nächsten Morgens, im Zweifel, im Verlust. Vielleicht ist das Leben gerade deshalb so schwer zu begreifen, weil es keine feste Bedeutung hat. Der Mensch versucht, Ordnung zu schaffen, wo nur Zufall herrscht. Er erzählt sich Geschichten, um nicht zu verstummen. Er baut Begriffe wie Mauern, um sich an etwas festzuhalten. Aber jedes Wort bröckelt mit der Zeit, und hinter allem Denken bleibt das Schweigen, das schon immer da war.
Vielleicht ist es das, was bleibt: das Schweigen, das uns trägt. Kein Sinn, kein Ziel, kein Grund – nur die Erfahrung, dass wir existieren, ohne zu wissen warum.
Und vielleicht genügt genau das, um weiterzuatmen.

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