Ich sehe dich

(Für mein inneres Kind)

Ich sehe dich – mit aufgerissenen Augen, zitternd im Schatten, wo keiner dich fand. Dein Mund war still, weil Schreie nichts nützten in einem Haus ohne sicheren Rand.
Ich sehe dich – und alles in mir brennt. Nicht weil du schuld warst,nein – weil sie’s hätten wissen müssen. Weil du so klein warst und niemand da war,der sagte: „Hör zu. Du bist genug.“
Ich spür dich schreien in meinem Brustkorb, deine Angst in meinen Händen,dein Zorn in meinem Schritt. Und manchmal würde ich die Welt zerreißen für das, was sie dir angetan hat. Ich seh dich kauern hinter meiner Stirn, noch immer bereit, zu fliehen oder zu frieren. Doch ich schwöre dir:Ich werde dich nicht mehr allein lassen mit den Dämonen. Ich werde für dich laut sein. Du darfst jetzt stampfen, du darfst auch fluchen. Du darfst all das sagen, was du nie durftest.
Ich bin groß genug für dein zerbrochenes Herz. Und stark genug,es zu halten. Also schrei, wenn du willst.
Wein, wenn du musst.
Ich bleibe.

Hinterlasse einen Kommentar