Monolog des Aufgebens

Ich habe nicht gesagt:„Ich kann nicht mehr.“
Ich habe gesagt:„Ich will nicht mehr müssen.“
Und niemand hat den Unterschied gehört. Man denkt, Aufgeben ist laut. Ein Schrei, ein Hilferuf ,ein Drama mit Pointe. Aber das echte Aufgeben kommt auf leisen Sohlen. Es schleicht sich ein zwischen zwei Atemzüge, wenn du merkst,dass selbst das Einatmen zu viel wird.
Ich habe weitergemacht, lange nach dem Punkt, an dem etwas in mir schon liegen geblieben war. Ich habe funktioniert. Gearbeitet. Gelächelt. Zugehört. Reagiert. Wie eine gut geschmierte Selbstvernichtungsmaschine. Sie nannten es Stärke. Ich nannte es: Nicht sterben, weil niemand anders meinen Platz übernehmen würde.
Aufgeben war kein Entschluss. Es war ein Prozess. Zuerst ging das Vertrauen. Dann das Hoffen. Dann die Stimme. Dann das Gefühl. Irgendwann war nur noch ein Körper übrig, der Termine wahrnahm, Nachrichten las,und innerlich nichts mehr beantwortete. Sie sagten:„Du bist so ruhig geworden.“ Ich sagte:„Weil es nichts mehr zu sagen gibt.“
Denn alles, was ich jemals sagen wollte, ist bei irgendwem an Gleichgültigkeit zerschellt. Und irgendwann hörst du auf,deine Wunden zu erklären. Du deckst sie zu wie man ein Grab deckt: nicht weil es heilt, sondern weil es vorbei ist.
Ich habe nicht aufgegeben, weil ich zu wenig war. Ich habe aufgegeben,weil ich zu viel gegeben habe für Menschen, die nie zurückblickten. Vielleicht nennt man das Aufgeben. Ich nenne es: Mich nicht weiter opfern. Mich nicht weiter erklären. Mich nicht weiter zwingen zu einem Leben, das nichts mehr für mich übrig hat außer Pflicht und Schmerz. Wenn das Aufgeben ist – dann ist es mein letzter Widerstand.

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