Monolog der Spielsachen (Wir lagen still, während alles zerbrach – und trugen deine Last)

Wir waren deine Welt. Dein Trost. Dein Versteck. Deine stummen Begleiter, die nie gefragt wurden, ob sie bleiben wollten. Wir sahen, wie dein Lachen verblasste, wie deine Augen leer wurden, wie du in dir zusammenfielst, Schicht für Schicht, bis nichts mehr übrig war, was uns halten konnte.
Wir hörten deine leisen Tränen, deine erstickten Schreie, deine verstummten Bitten,die niemand hörte. Wir fühlten die Kälte, die durch dein Zimmer kroch, die Stille, die nach Angst roch, und den Druck, der dich erdrückte, auch wenn niemand es sah.
Wir wurden zurückgelassen, vergessen, verstaubt, zerbrochen. Manche von uns lagen zerfetzt, andere waren verblasst, verliessen ihre Farbe und Form, wie du dein Selbst.
Wir waren Zeugen eines Krieges, den du nicht wählen konntest. Einer Schlacht, die in deinen Wänden tobte, in deinem Herzen, in deinen Gedanken.
Wir konnten dich nicht retten. Nicht wirklich. Wir konnten nicht sprechen, nicht schreien, nicht fliehen. Wir waren gefangen, wie du. Still. Ohne Macht. Aber wir erinnern. Leise. Unvergessen. Wir tragen deine Geschichte, deinen Schmerz, deine verlorene Unschuld. Wir sind mehr als Spielzeug. Wir sind Schatten deiner Kindheit, Splitter deiner Seele, die niemand je zusammensetzen wollte. Und wir sind hier. Immer noch. Versteckt in der Dunkelheit, bereit, dich zu begleiten, wenn du den Mut hast, uns zu finden.

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