An Wochentagen gab es Nudeln.
Ohne alles.
Oder mit einem Rest von Sauce, wenn jemand milde gestimmt war.
Ich lernte früh, nicht zu fragen.
Nicht nach mehr.
Nicht nach etwas anderem.
Nicht nach dem Warum.
Am Wochenende wurde der Tisch gedeckt, als wären wir eine Familie.
Es gab Fleisch, sogar Nachtisch.
Der Pudding stand wie ein Versprechen auf dem Tisch – eines, das ich nicht verstanden habe.
Nur dass Vater da war.
Und wir wieder so tun mussten, als sei es normal, satt zu werden.
Wenn ich Migräne hatte, musste ich den Schmerz beweisen.
Den Kopf hin und her werfen, bis das Kotzen kam.
Dann durfte ich bleiben.
Dann durfte ich stören.
Dann war ich sichtbar, aber nur als Hindernis.
Ich war der Störfall in ihrem Plan.
Waschen lernte ich im Kindergarten.
Dass man das täglich tun sollte.
Daheim genügte die Katzenwäsche,und auch die nur,wenn jemand zu riechen begann.
Durstig?
Ein Glas Leitungswasser.
Kalt.
Schnell austrinken.
Dann verschwinden.
Nicht stören.
Nicht aufhalten.
Nicht atmen, wenn es nicht sein muss.
Ich war eine Fliege in der Küche, immer kurz vor dem Wegscheuchen.
Ein Nebengeräusch.
Etwas, das man übersieht,bis es stört.
Und dann fragen sie mich heute, warum ich so bin.
Warum ich still werde, wenn andere lachen.
Warum ich misstraue, wenn jemand sagt:„Bedien dich ruhig.“
Warum ich vergesse zu essen, und mich trotzdem schäme, wenn ich satt bin.
Vielleicht, weil es nur am Wochenende Pudding gab.
Und auch der war nie für mich gedacht.
Nur am Wochenende gab es Pudding
