Ich bin jedermanns Anker.
Ich falle nicht.
Weil ich es nicht darf.
Weil ich der bin,
den alle brauchen,
wenn es um sie
zu wackeln beginnt.
Ich halte.
Still,
verlässlich,
schwer.
Ich lasse euch reden,
bis ihr leer seid.
Ich höre zu,
bis meine Stille
taub wird.
Ich bin der,
der die Nacht durchsteht,
damit ihr schlafen könnt.
Ich bin das „Du schaffst das“
für alle,
auch wenn in mir
nichts mehr
schafft.
Ich stütze euch,
wenn ihr kippt,
und halte eure Geschichten
wie ein Hafen
die Boote –
auch die,
die nie zurückkehren.
Aber sagt –
wer hält mich,
wenn ich breche?
Wer trägt mein Schweigen,
wenn es lauter ist
als jeder Schrei?
Wer hört,
wenn ich nichts sage,
aber alles meine?
Ich bin der,
der aushält.
Der bleibt.
Der sich nicht dreht,
wenn der Sturm tobt.
Weil ich gelernt habe,
dass Wurzeln
nichts anderes sind
als Ketten
in schönem Kleid.
Und ja,
ich weiß,
was meine Stärke euch gibt.
Ich weiß,
wie viele an mir hängen.
Wie viele fallen würden,
wenn ich losließe.
Aber ich frage mich:
Was,
wenn ich’s doch täte?
Wenn ich losließe,
nicht aus Trotz,
nicht aus Schwäche –
sondern aus
menschlichem
Zerfall?
Würde mich
jemand
auffangen?
Oder würde man sagen:
„Du?
Das passt doch gar nicht zu dir.“
Ich bin jedermanns Anker.
Und niemand
hat je gefragt,
ob ich schwimme
oder längst
auf dem Meeresgrund liege,
bleischwer,
erschöpft,
vergessen.
