Ich wollte Mathe machen.
Jetzt male ich den Rand des Hefts
in Regenbogenfarben
und frage mich,
warum Bleistifte so gut riechen.
Der Lehrer redet
über Brüche –
ich rechne,
wie viele Sekunden
bis zur Pause.
Mein Bein wippt.
Mein Kopf springt.
Mein Herz rennt schon voraus.
Gestern wollte ich
„nur kurz“
mein Zimmer aufräumen.
Jetzt stehen
alle Schubladen offen
und irgendwo dazwischen
liegt mein Haustürschlüssel
oder mein Gedanke
oder beides.
Mama sagt:
„Du musst dich konzentrieren.“
Ich sag:
„Ich muss so viel sehen,
bevor es weg ist.“
Auf dem Heimweg
zähle ich Schritte,
überhole meinen Schatten
und vergesse,
warum ich überhaupt
so schnell laufe.
Meine Freundinnen
reden über Schminke,
ich rede über den Hund
von gegenüber,
der gestern einen Schuh
durch den Zaun gezogen hat.
Und irgendwo
zwischen Matheaufgabe
und Wolkenform,
zwischen Türschlüssel suchen
und Schubladen schließen,
passiert mein Leben –
wie ein Film,
den man nicht anhält,
weil man Angst hat,
den besten Teil zu verpassen.
