Kategorie: Lyrik
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Gefühle

Hass und Liebeim selben Atem.Zu viel,zu nah,zu wahr.Ruhe wäre einfacher,Gleichgültigkeitein Segen.Doch selbst das Herzverweigert Gehorsam,schlägt weitergegen den Willen.
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Zwischen Atemzügen

Das Leben geschieht. Wir glauben zu handeln, zu entscheiden, zu lenken, doch vielleicht ist alles, was wir tun, nur eine Bewegung im Strom, der längst eine Richtung kennt. Der Gedanke an Kontrolle ist tröstlich, aber wahrscheinlich eine Illusion. Manchmal bleibt nur das Bewusstsein selbst. Kein Ziel, keine Bedeutung, nur das reine Wissen, dass etwas ist.…
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Zwei Gräber

Ich liebte dich,weil du sie liebtest.Deine Hände hielten sie,als sie längst nur noch Schatten war.Du bliebst,als andere flohen,sprachst mit ihr,als sie schon schwieg.Doch an dem Tag,an dem wir sie wieder betrauerten,hast du dich selbst begraben.Nicht im Grab,sondern in mir.Jetzt stehe ich zwischen zwei Verlusten,zwei Gräbern,und habe mich noch nicht getraut,ihm Blumen zu bringen.
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Herbstblues

Die Blätter fallen,als hätten sie genug von den Bäumen.Sie treiben auf dem Wind wie Gedanken, die ich nicht halten kann.Die Tage werden kürzer,das Licht schleicht sich heimlich fort,und ich sitze zwischen Zwielicht und mir selbst.Jede Straße riecht nach Abschied,jede Bank erzählt von stillen Stimmen.Ich höre sie nur,wenn ich den Atem anhalte und die Stille zulasse.Vielleicht…
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Wenn Worte Spuren bleiben

Wenn Worte Spuren bleiben,gleiten sie durch stille Räume,fließen wie Licht über alte Mauern,berühren, ohne zu greifen,verweilen, ohne sich zu zeigen.Sie wehen durch die Luft,getragen von einem Atem,der kaum spürbar,und doch unvergänglich ist.Jede Silbe hinterlässt ein Echo,jedes Wort einen leisen Abdruck,der sich in Gedanken webt und dort weiterlebt,wo Augen ihn nicht sehen,wo Herzen ihn fühlen.
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Hinterglas

Die Hände zittern über verschlossenen Türen,das Herz liegt hinter Glas, glänzend und zerbrechlich.Jedes Wort fällt wie ein Tropfen,Scherben brechen leise auf der Oberfläche.Gefühle hängen in der Luft wie Nebel,zu nah, zu fremd, zu verletzlich.Man sehnt sich nach Nähe, nach Wärme, nach Vertrauen,und doch zieht man sich zurück,aus Angst, dass Berührung Schmerz wird.Mut liegt wie ein…
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Mutters Hände von Michael Eschmann

Das Gedicht ist erschienen im Band „Tage kühl vom Regen umarmt“, erschienen bei 𝗥𝗮𝗹𝗳 𝗙𝗿𝗶𝗲𝗹 in dessen 𝗠𝗼𝗹𝗼𝗸𝗼𝗽𝗿𝗶𝗻𝘁-𝗩𝗲𝗿𝗹𝗮𝗴.Ein schlichtes, ehrliches Gedicht, das gerade durch seine Ruhe berührt. Es erzählt ohne Pathos von einem Wiedersehen, das längst vergangen ist. Die Sprache bleibt nüchtern, fast sachlich, und lässt so den Schmerz umso deutlicher spürbar werden. Die Hände…
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Armselige Geschöpfe von Ron Hard

Das Gedicht ist erschienen im Band „Der Schrei des Hummers“, erschienen bei 𝗥𝗮𝗹𝗳 𝗙𝗿𝗶𝗲𝗹 in dessen 𝗠𝗼𝗹𝗼𝗸𝗼𝗽𝗿𝗶𝗻𝘁-𝗩𝗲𝗿𝗹𝗮𝗴. Dieses Gedicht trifft nicht mit lauten Worten, sondern mit einer stillen, fast beiläufigen Verzweiflung. Es spricht aus, was viele fühlen, aber kaum zu denken wagen: dass das Leben uns weder sieht noch schuldet, dass Bedeutung eine menschliche Erfindung…
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Wirbel

Sie sitztStuhl fließtLicht kriecht über WändeTassen öffnen MünderTassen singenBücher flatternBücher fliegenFenster atmenSekunden tropfenMinuten klebenKatze läuft auf LuftKatze läuft auf WändenWände falten sichWände flüsternDie Sonne gießtTassen fangen TräumeTräume fallen in HändeTisch fließtTisch biegt sichLampe streckt Glühbirne wie ZungeStraßen rollenHäuser tanzenVielleicht ist alles ein FlussVielleicht ist alles ein GedankeVielleicht sind alle Dinge gleichzeitigVielleicht sind alle Dinge verschwundenVielleicht…
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Hommage an die Lyrik

Ich dachte lange, Lyrik sei nur weichgespült und nett. Also widmete ich mich lieber meiner Romanze, dem Thriller oder dem guten alten Groschenroman.Meine eigenen lyrischen Versuche versteckte ich wohlbehütet auf meinem Laptop, und doch fühlten sie sich immer wie ein geheimer Schatz an. Heute weiß ich, dass ich falsch lag.Heute weiß ich: Sie kann hart,…