Kategorie: Lyrik
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Innenriss

Warum… warum immer dieses Ziehen in mir.Als ob jemand von innen an meinen Rippen kratzt.Ich sage mir: Halt durch.Aber wofür?Ich weiß es nicht.Es ist so laut in meinem Kopf und so still draußen.Niemand merkt etwas.Niemand soll etwas merken.Und ich … ich zerfalle zwischen diesen Extremen.Ich will schreien.Ich will verschwinden.Ich will bleiben.Alles zugleich.Manchmal rede ich mit…
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Der Schmerz

Auf Fotos halte ich ein Buch, und meine Hände scheinen ruhig.Sie sehen nicht die Nächte voller Kampf,die Last,die kein Name trägt.Mein Schmerz ist unsichtbar,kein Stempel,kein Verband.Doch er geht mit,jeden Schritt,jede Seite,jeden Atemzug.
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Hat man noch eine Seele?

Hat man noch eine Seele,wenn der Geist gebrochen ist,zersplittert wie Glas unter Schritten,die nie innehielten?Hat man noch eine Seele,wenn Stille schwerer wiegt als jede Erinnerung,und Spiegelbilder nur Schatten zurückwerfen?Vielleicht war sie einmal Licht,nun trägt sie Narben,Kanten, Risse – doch selbst Asche glüht,wenn man sie atmet.Und manchmal reicht ein Funke,winzig, unscheinbar,um im Dunkeln zu flüstern:Du bist…
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Lyrische Fausthiebe

Sie wollen,dass Worte streicheln.Doch meine Zeilen schlagen zurück.Keine Blume auf Papier,sondern Splitter im Fleisch.Ich schreibe nicht,um zu gefallen.Ich schreibe,weil Schweigen zu lange geherrscht hat.Jedes Gedicht ein Schlagabtausch – mit der Welt,mit mir.Und manchmal trifft es genau dort,wo man sich selbst nicht schützen kann.
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Der Schrei

Ein Bild,das schreit,wie Worte,die brennen.Farben, die reißen,Linien, die zittern,ein Echo meiner Sätze,meiner stillen Feuer.Dein Schrei in Öl,mein Schrei in Sprache – zwei Wege,ein Riss.Und doch:Im Aushalten,im Hinsehen,wird Kunst geboren.
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Stolz

Nicht der Stolz,den sie mir beibringen wollten – für Noten,für Schweigen,für das Bravsein.Mein Stolz ist anders.Er ist das Weitergehen,wenn der Boden fehlt.Er ist das Atmen,trotz des Gewichts.Er ist das Sprechen,obwohl die Stimme zittert.Mein Stolz ist kein Triumph.Er ist Überleben.Er ist,dass ich noch da bin.
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Messer im Rücken

Sie standen da, dicht gedrängt,mit warmen Gesichtern,freundlichen Stimmen,und ich wollte glauben,dass hinter mir wirklich Schutz war.Doch dann kam das erste Brennen.Ein kaum hörbares Knacken,als Metall die Haut durchstieß.„Nur ein Missverständnis“,redete ich mir ein,während Blut den Rücken hinablief.Sie lächelten weiter.Sagten: „Du bist stark. Wir glauben an dich.“Und jedes Wort war eine neue Spitze,die tiefer eindrang,ohne dass…
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Licht und Staub

Sie gehören zusammen.Das Licht fällt nicht ohne den Staub.Der Staub leuchtet nicht ohne das Licht.Zwischen beiden bewegt sich alles.Staub sind die Reste,das Zerfallene,die Spuren von Gestern.Licht ist der Faden,der sie sichtbar macht,der ihnen Form verleiht.Im Staub liegt Erinnerung.Im Licht die Möglichkeit.Und vielleicht ist Hoffnung nichts anderes als dieser Tanz –klein, unscheinbar,schwebend im Raum,zwischen Zerfall und…
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Umkehrvision

Ich verspreche dir nichts.Keine Ewigkeit,keine Rettung.Ich schulde dir nicht mein Schweigen,mein Herz,meinen Atem.Liebe heißt hier: ich kehre um.Zurück zu mir.
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Bildungslücken

Tafeln leer,Bücher veraltet.Kinderaugen suchen Antworten,finden Schweigen.Lehrer fehlen,Zukunft gestrichen.Träume verharren im Staub des Klassenzimmers.Wege enden,bevor sie beginnen.