Kategorie: Lyrik
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Semikolon

Es hätte enden können.Ein Punkt.Ein Schweigen.Ein letzter Satz.Doch da ist dieses Zeichen,unscheinbar,kleiner als ein Wort,größer als ein Ende.Semikolon.Es hält mich zwischen Abbruchund Neubeginn.Es sagt: Pause. Atme. Weiter.Und jedes Mal,wenn ich es sehe, weiß ich:Ich bin der Satz,der nicht aufgehört hat.
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Bruchkorn

Fehler keimen im Schatten der Tage, brechen Schalen,öffnen Räume.Aus Bruch wächst Klarheit,aus Staub entsteht Kraft.Jeder Sturz ein Samen,der Richtung kennt.
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Einzelgang

Schmale Spur im Staub,zieht sich durch leere Felder.Stimmen verhallen,Mauern tragen Schweigen.Straßen voller Körper,doch kein Blick bleibt.Schritt folgt Schritt,wie Schatten ohne Halt.Ein Funken glimmt,verborgen,unbeirrt.
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Gegen die Stille

Stille flüstert vom Ende,doch irgendwo glimmtein Rest von Licht.Ein Schritt kann fallen,doch auch getragen werden.Verzweiflung schreit,aber Stimmen können antworten.Kein Herz muss allein schlagenim Dunkeln.
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Mehr als Tage

Depression – kein Regen,der vorüberzieht.Es ist Gewicht auf Brust und Gliedern,Leere im Blick, Stille im Herz.Kein schlechter Tag,sondern ein Raum,der verschluckt,der hält,der nicht loslässt.Und doch: manchmal ein Riss,ein Schimmer –Beweis,dass Dunkel nicht alles bleibt.
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Geburtstag

Tür auf. Kein Kuchen.Papa da.Mama fort.Kerzen verlöscht,noch bevor sie brannten.Schuld – mein Geschenk an mich selbst.
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Unbeantwortet

Wer bin ich,wenn Namen fallen?Warum etwas,statt Nichts?Was bleibt,wenn Atem endet?Woher Hoffnung,im Dunkeln?
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Angst vor dem Danach

Tür fällt zu.Stille bleibt. Atem stocktim eigenen Kreis. Danach –kein Bild,nur Schatten. Frage ohne Antwort.Boden ohne Halt. Angst wächstim offenen Schwarz.
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Jeder sich selbst

Man sagt,jeder sei sich selbst am nächsten.Doch Nähe ist kein Besitz,kein eingezäunter Garten,kein abgeschlossenes Zimmer.Ich habe gesehen,wie ein Blickeine Tür öffnen kann,wie eine ausgestreckte Handdie Dunkelheit teilt.Wenn alle nurihr eigenes Licht behüten,verlöschen wir schneller.Doch wenn einer teilt –ein Wort,ein Stück Atem,ein Rest Hoffnung –dann wächst etwas,das größer ist als ich,größer als du.Vielleicht ist es wahr:Wir…
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Ich zweifle, also lebe ich

Nicht das Denkenhält mich fest,sondern das Fragen,das Wanken,das ständige Vielleicht.Ich trage das Ungewissewie eine zweite Haut,und jeder Schrittist auch ein Stolpern.Sicherheitensind mir fremd,aber das Herz schlägttrotzdem weiter.Ich atmezwischen Antworten,die nie bleiben.Und in diesem Atem,der sich weigert zu verstummen,liegt der Beweis:Ich bin.