Kategorie: Lyrik
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Wenigstens die Wäsche ist gemacht

Ich schreibe öffentlich über das, was weh tut.Was bebt.Was mich nachts nicht schlafen lässt.Ich schreibe über Angst,über das große Zittern,über die Frage,ob ich überhaupt richtig bin.Ich schreibe mich wund.Mich leer.Mich auf.Und du?Du scrollst vorbei.Siehst ein Gesicht, das deins nicht spiegelt.Ein Schmerz, der dich nichts angeht.Du bist online.Und doch fort.Du bist da.Und siehst mich nicht.Ich schreibe…
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Ich traue dem Morgen nicht

Ich traue dem Morgen nicht.Nicht nach Nächten wie dieser.Nicht nach Jahren, in denen das Aufwachen keine Rückkehr war, sondern ein Überfall.Der Morgen kam nie wie ein Versprechen.Er kam wie ein Befehl.Steh auf.Funktioniere.Tu so, als wäre das Leben tragbar.Ich habe lange gelernt, genau das zu tun.Die Augen zu öffnen, bevor die Gedanken aufwachen.Den Körper in Bewegung…
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Sorgen

Ich suche die Sorgen nicht,sie finden mich von selbst.Kommen ungefragt,setzen sich an meinen Tisch,trinken meinen Kaffee,schweigen nicht.Ist eine weg,nehmen zwei neue Platz,wie Gäste ohne Einladung,die sich zu Hause fühlen in Räumen,in denen ich kaum noch atmen kann.Sie reden durcheinander,wägen nicht ab,lassen mir keinen Gedanken für mich allein.Und ich frage mich,ob sie gehen würden,wenn ich die…
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Perspektiven

Es gibt Tage,da schaue ich aus dem Fensterund sehe nur Mauern.Steine, die mir sagen,dass nichts mehr kommt,außer mehr von dem,was schon schwer ist.Und es gibt andere Tage,da ist dasselbe Fenster ein Rahmen für Möglichkeiten.Kein Zwang,keine Pflicht,nur das Wissen:Hier endet nichts,solange ich hinschaue.Manchmal,liegt der Unterschied nur in einem halben Atemzug.In der Entscheidung,ob ich den Blick senkeoder…
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Schuldgefühle

Sie kommen nachts,wenn alle Argumente schlafen.Leise.Und sehr genau.Sie fragen nicht,ob es Sinn ergibt.Sie flüstern:„Du hättest…“„Du musstest…“„Du warst doch…“Ich zählealle Male,an denen ichnicht konnte.Nicht wusste.Nicht laut war.Ich schweigefür sie alle.Und wenn der Morgensich vorsichtig streckt,sitzt Schuldimmer noch auf meiner Brust –wie eine Katze,die sich weigert,aufzustehen.
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Ich und der Waschlappen

ICH: Ich dachte, du würdest mich halten.Oder wenigstens fragen, ob alles okay ist.SIE: Es war nur eine Schramme. Du hast übertrieben.ICH: Mein Kopf hat geblutet.Die Lehrerin wurde bleich.Sie sagte: Notfall.SIE: Du warst spät dran.Ich hatte keine Zeit für Drama.ICH: Du hast mich an den Haaren gezogen.Weg vom Bad.Weg vom Blick der anderen.Weg von Hilfe.SIE: Du…
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Monolog des Weitermachens

Ich mache weiter.Nicht, weil ich noch Kraft habe.Sondern, weil das Aufhören keine Option ist, die sich wirklich anfühlt.Ich mache weiter, weil niemand kommt, der es mir abnimmt.Weil niemand fragt:„Willst du raus?“ nur:„Schaffst du das noch?“Ich mache weiter, mit einem Körper, der sich anfühlt wie ausgeliehen.Mit Gedanken, die nicht denken wollen.Mit Erinnerungen, die wie Glassplitter unter…
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Der Kampf zwischen Geduld und Ungeduld

Geduld sitzt in der Ecke.Mit gefalteten Händen, wie ein Kind, das sich selbst zur Ruhe erzogen hat.Sie ist nicht freundlich.Sie ist nicht weise.Sie ist erschöpft.Aber sie kennt das Warten wie andere ihre Muttersprache.Ungeduld rennt im Kreis.Sie schlägt gegen Wände, flucht, wirft mit Erinnerungen, die brennen.Sie kann nicht still sein.Sie hält es nicht aus, wenn alles…
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Tanz mit den Schatten

Sie kommen, wenn die Welt still wird,die Schatten, die ich nie ganz loswerde,schleichen sich an, schlingen sich um mein Herz,ziehen an meinen Gedanken, wie kalte Finger, die nicht loslassen.Manchmal will ich sie wegstoßen,kämpfe mit Fäusten gegen die Dunkelheit,schreie gegen die Leere, die sie hinterlassen.Doch sie sind stärker, sie kennen jede Schwachstelle,jeden Schmerz, den ich verstecke.Und…