Kategorie: Lyrik
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Naivität

Ich dachte, wer lacht, meint es gut.Ich dachte, wer mich anschaut, sieht mich.Ich dachte, wer „Ich liebe dich“ sagt, lügt nicht.Ich war ein Kind im Körper einer,die alles verstanden haben sollte.Ich habe zugelassen.Ich habe geglaubt.Ich habe nicht gesehen,was zwischen den Zeilen stand.Weil ich lieber blind war,als misstrauisch.Naivität ist keine Tugend.Es ist ein offenes Fenster, durch…
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Angst vor dem Verlassenwerden

Da ist diese Stimme in mir, die unaufhörlich flüstert: „Du wirst allein sein.“ Ein kalter Schatten,der sich in mein Herz schleicht, wenn Nähe wächst und ich mich öffne,wenn ich mich traue, zu vertrauen. Die Angst vor dem Verlassenwerden ist ein ständiger Begleiter, der mich lähmt, der mich warnt, nicht zu viel zu geben, nicht zu…
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Wenn die Seele schreit

Es ist kein Schrei, den man hört. Es ist ein inneres Bersten. Ein Laut, der sich nicht formt. Ein Echo, das sich verhakt – zwischen Herz und Hals.Meine Seele schreit. Nicht aus Trotz. Nicht aus Laune. Sondern weil sie zu lange still war. Weil sie zu viel geschluckt hat. Weil sie nicht mehr kann. Ich…
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Was man mir nicht ansieht

An meinem dreizehnten Geburtstag ging meine Mutter. Sie verließ uns, ohne Gepäck, ohne Erklärung. Mein Vater nahm ihren Ehering und steckte ihn mir über den Finger. Von da an war ich nicht mehr Tochter. Ich war Ersatz. Für sie. Für alles, was ihm fehlte. Ich kümmerte mich um meine kleine Schwester. Seine Prinzessin. Er trank.…
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Meine Reise an die Schwelle des Todes

Ich erinnere mich nicht an das erste Zittern. Nur an das plötzliche Wissen: Etwas reißt auf. In mir. Unsichtbar. Unerbittlich. Kein Schmerz. Kein Schrei. Nur diese Stille, die alles übertönte. Als hätte mein Körper beschlossen, nicht mehr mitzuspielen.Mein Herz schlug noch. Aber es war leer. Ein mechanisches Pochen ohne Absicht. Ohne Ziel. Ich glitt. Langsam,…
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Monolog der Spielsachen (Wir lagen still, während alles zerbrach – und trugen deine Last)

Wir waren deine Welt. Dein Trost. Dein Versteck. Deine stummen Begleiter, die nie gefragt wurden, ob sie bleiben wollten. Wir sahen, wie dein Lachen verblasste, wie deine Augen leer wurden, wie du in dir zusammenfielst, Schicht für Schicht, bis nichts mehr übrig war, was uns halten konnte.Wir hörten deine leisen Tränen, deine erstickten Schreie, deine…
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Ich und das Schweigen der anderen

ICH: Es war nicht nur er. Es waren auch die, die weggesehen haben. Die geschwiegen haben, weil mein Schmerz ihren Komfort gestört hätte.SCHWEIGEN: Sie nennen es:„nicht einmischen“. Sie nennen es:„zu kompliziert“.ICH: Sie sahen mich taumeln und sagten:„Sie ist halt sensibel.“ Sie hörten meine Angstund nannten es Stimmungsschwankung.SCHWEIGEN: Ich bin nicht leer.Ich bin Schuld in sanfter…
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Ich und der Schrei, den keiner hört

ICH: Warum bleibst du da drin, so tief, so lautlos?DER SCHREI: Weil du mich nicht lassen willst. Weil du gelernt hast,dass Stille sicherer ist als Aufmerksamkeit.ICH: Aber du tust weh. Du brennst, du pochst in meiner Kehle wie ein zweiter Puls.DER SCHREI: Ich bin nicht das Problem. Ich bin die Antwort, die du nie sagen…
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Bin ich trotz Traumata eine gute Mutter?

Manchmal, wenn die Welt still wird und die Dunkelheit sich wie ein schwerer Mantel über mich legt, frage ich mich: Bin ich gut genug? Bin ich die Mutter, die meine Kinder verdienen? Die Frage schleicht sich ein, leise, doch mit einer Last, die mein Herz zusammenschnürt. Die Narben meiner Vergangenheit sind nicht unsichtbar für mich.…
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Der Tanz mit der Angst (Der ambivalente Umgang mit dem ständigen Begleiter)

Angst ist mein ständiger Begleiter. Sie sitzt auf meiner Schulter, flüstert in mein Ohr,hält mich gefangen und zugleich lebendig. Sie zieht an meinen Haaren, drückt auf meine Brust, setzt sich wie ein kalter Schatten auf mein Herz. Manchmal lähmt sie mich, macht mich klein, bringt mich zum Schweigen, lässt mich erstarren, wie ein Tier im…