Kategorie: Lyrik
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Aufrecht

Nicht mehr gebeugtunter fremden Stimmen,nicht mehr gefesseltvon alten Schatten.Ein Körper richtet sich,ein Atem zieht Grenzen,eine Stimme trägt ohne Zittern.Aufrecht – kein Triumph,nur Wahrheit im Stand.
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Mittwoch

Halbzeit der Woche,doch kein Sieg.Berge von Aufgaben,Stimmen drängen.Die Mitte trägtkein Gleichgewicht,nur Schwere.
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Dienstag

Die Maschine läuft,Räder greifen.Gestern verblasst,morgen fern.Dienstag ist Zwischenraum,grau und still – ein Atem ohne Klang.
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Montag

Der Wecker reißtden Traum entzwei.Stühle knarren,Blicke stumpf.Ein neuer Anfang,doch die Müdigkeitsitzt längst im Nacken.
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Sichtbar

Sie wird gesehenLange unsichtbar,doch ein Blick bleibt.Kein Allein mehr,nur Freude – endlich da.
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Schlaflosigkeit

Nacht klebt wie Teer an den Lidern.Gedanken jagen im Kreis,bis Funken schlagen.Stunden zerfallen,ohne Gewicht.Kissen trägt nur Leere,nur Schweiß.Schlaflosigkeit – ein Miststück,das lacht im Dunkeln,während ich zerfranse.
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Das Gewicht der Stille

Reden klingt,wie Silber auf Stein – hell,doch schnell vergehbar.Schweigen bleibt,schwerer als Gold.Es füllt Räume,drückt auf Brust und Augen.Manchmal schützt es,manchmal frisst es.Und zwischen beidem steht der Mensch,unsicher,ob ein Wort rettet – oder zerstört.
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Schlaflosigkeit, Reprise

Nacht liegt schwer wie ein Stein auf der Brust.Gedanken reißen Fäden,knüpfen Netze aus Lärm.Der Körper schreit nach Ruhe,doch das Gehirn trommelt weiter,unbarmherzig.Schlaf bleibtein verschlossenes Zimmer,Schlüssel verloren im eigenen Kopf.
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Offene Fragen

Suizid –kein Muster,kein Plan,kein Vorzeichen sicher.Zurück bleiben Räume,durchzogen von Fragen,von Stimmen im Kopf,die keine Antwort geben.Stille füllt die Lücken,Schuld wächst im Schatten,doch Wahrheit entgleitet wie Sand.Zurück bleibt Liebe,zerschnitten,fragend,unerlöst.
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Familie, andere Version

Blut verpflichtet nicht.Mythos,der nichts hält.Familie – keine Kette,kein Erbe,sondern Nähe,die wählt.Gefunden im Dunkeln,im Bruch,im Halt,der bleibt.