Kategorie: Lyrik
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Familie

Nicht Blut,sondern Wahl.Familie wächst im Fremden,wenn Augen einander erkennen.Kein Erbe,kein Zwang,sondern Fäden,gesponnen im Jetzt.Gefunden,nicht geboren.Genug,um zu tragen.
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Er nannte mich Kunstwerk

Er nannte mich Kunstwerk,als sei mein Lachen ein geheimer Pinselstrich,mein Schweigen ein Schatten, der Tiefe schenkt.Er legte seine Worte um mich,wie einen Rahmen,nicht um mich festzuhalten,sondern um sichtbar zu machen,was ich selbst nicht sah.Meine Brüche –für ihn waren sie Linien,die nicht zerstören,sondern verbinden.„Du bist mehr als schön“,sagte er,„du bist Geschichte,du bist Atem,du bist das,was bleibt,wenn…
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Schlaflosigkeit, die dritte

Verzweiflung presst den Atem ab.Müde,doch das Dunkelhält gefangen.Uhren ticken,Gedanken zerfetzen,Augen weigern sich zu fallen.Die Nacht frisst Stunden,Herz wird schwerer,Stille wächst zu Mauern ohne Ausweg.
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Unsichtbares Volk

Straßen voll Schritte,doch keiner zählt.Stimmen verhallen zwischen Mauern aus Glanz und Glas.Kleine Hände tragen Lasten,schwerer als Worte.Mächtige thronen,reden vom Volk,doch meinen nur Zahlen.Unsichtbares Volk –und doch trägt es die Welt auf seinem Rücken.
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Die Monster unter meinem Bett

Sie haben keine Klauen,keine Zähne.Sie tragen meine Sorgen,meine Scham,meine Schuld.Wenn das Licht erlischt,kriechen sie näher,setzen sich auf meine Brust.Und ich weiß:Sie sind aus mir,doch stärker als Schlaf.
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Ich bin mein grösster Feind

Spiegel zeigt kein Fremdes,nur mich – und doch ein Gegner.Gedanken schärfen Messer,Zweifel schlagen Wunden.Kein Wort von außen trifft so tief wie meine eigenen.Ich baue Mauern,reiße Brücken,stelle Fallen auf meinem Weg.Und dennoch gehe ich weiter,gefangen im Kampf gegen mich selbst.
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Der Tod

Sitzt im Nacken,unhörbar,wie Atem im Wind.Folgt jedem Schritt,steht am Ende jedes Weges.Manchmal schweigend,manchmal nah,doch immer da.Wir fürchten ihn,wir verleugnen ihn – und doch trägt er uns bis zum Schluss.
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Dein Verlegerwort

Du sprichst von Spiegeln,doch meinst nur dein eigenes Glas.Zersprungen,verbeult,blind für das,was nie dein war.Du zweifelst an Narben,als wären sie Tinte,die man wegradieren könnte mit Spott und Gift.Doch meine Haut schreibt weiter,ob du liest oder nicht.Du hältst dich für Richter über Leben, die du nie gelebt hast.Verleger,der nicht veröffentlicht,sondern verurteilt.Ein Mann,der lieber Geschichten erfindet,als welche zu…
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Leben

Es wechselt die Farben,ohne uns zu fragen.Manchmal hell,manchmal dunkel.Manchmal leicht,manchmal kaum zu tragen.Und doch – immer weiter.Das ist Leben.
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Verkehrt

Der Himmel rutscht nach unten,Straßen stehen schief.Fenster blicken ins Leere,Worte verlieren ihr Gewicht.Zeit stolpert,Sekunden reißen aus dem Takt.Nichts steht fest,alles kippt,alles taumelt.Verkehrt ist die Welt –und doch trägt ein unsichtbarer Faden den nächsten Schritt.