Über das Schreiben

Schreiben ist für mich kein Zeitvertreib.
Kein Hobby, keine Flucht, kein Spiel mit schönen Worten.
Es ist Überleben.
Ein Versuch, Ordnung in das Chaos zu bringen,
das sonst in mir tobt.
Ich schreibe, um zu verstehen –
nicht um zu erklären.

Ich schreibe, weil Schweigen schmerzt
und weil Sprache manchmal das Einzige ist,
was mich zusammenhält.
Worte sind mein Archiv.
Für das, was gewesen ist.
Für das, was nie gesagt werden durfte.
Sie sind Splitter und Trost zugleich –
manchmal scharf genug, um zu schneiden,
manchmal zart genug, um zu heilen.

Schreiben heißt, die Welt zu sezieren,
Schicht um Schicht,
bis etwas Echtes übrig bleibt.
Kein Schmuck, keine Maskerade –
nur das, was wirklich atmet.

Ich schreibe über Systeme.
Über Menschen.
Über das, was sich unter der Oberfläche bewegt.
Über Angst und Mut,
über Verlust und Würde,
über Widersprüche,
die uns menschlich machen.

Schreiben ist mein Versuch,
nicht zu versteinern in einer Welt,
die immer lauter wird
und doch immer weniger sagt.

Und manchmal,
wenn ein Satz gelingt,
wenn Worte sich zu etwas verbinden,
das größer ist als ich –
dann spüre ich:
Vielleicht ist genau das
die Art von Wahrheit,
die man nicht beweisen muss.