Über mich

Und es fällt mir schwer, diese Seite zu schreiben. Weil ich so oft nicht wusste, wer ich überhaupt bin, wenn gerade niemand etwas von mir will. Ich bin müde. Nicht vom Tag –vom Dasein.
Ich funktioniere, meistens. Ich mache weiter, irgendwie. Aber innen drin ist oft nur Stille mit zu viel Echo. Ich bin fast taub, aber es gibt Geräusche, die trotzdem wehtun. Stimmen in meinem Kopf, die alt sind. Blicke, die ich nicht vergesse. Sätze, die niemand zurückgenommen hat. Ich schreibe, weil ich sonst nicht wüsste, wohin mit dem, was in mir keinen Platz findet.
Ich schreibe, weil ich oft allein war mit dem, was ich gefühlt habe. Und weil ich mir wünsche, dass vielleicht jemand irgendwann nicht mehr allein ist, wenn er meine Worte liest.Mein Alltag ist klein. Manchmal schaffe ich es, meine Medikamente rechtzeitig zu nehmen, die Waschmaschine zu starten, den Müll runterzubringen.
Manchmal auch nicht. Dann sitze ich einfach da und halte aus, was keiner sieht. Ich habe lange gedacht, ich müsste besser sein. Stärker. Angepasster. Heiler. Jetzt denke ich: Vielleicht reicht es, ehrlich zu sein. Und noch da.
Ich bin nicht meine Vergangenheit. Aber sie wohnt in mir. Manchmal laut, manchmal nur ein Schatten im Türrahmen. Aber sie ist da. Und ich bin es auch.
Wenn du das hier liest, und du fühlst dich erkannt – du musst nichts erklären. Ich versteh mehr, als ich sagen kann. Willkommen. Du darfst bleiben. Auch wenn du gerade nichts gibst, außer dein Dasein. Auch das zählt.Vielleicht fangen wir hier an. Mit einem Satz,der einfach nur sagt: Ich bin da.

„Inmitten des Winters entdeckte ich endlich, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer wohnte.“
– Albert Camus, aus dem Essayband „L’été“ (1954)


Ich bin genug.
Ich bin nicht allein – auch wenn es sich manchmal so anfühlt.
Ich erlaube mir, zu heilen, ohne mich dafür zu beeilen.
Ich bin auf meiner Seite – endlich.
Ich darf mich verändern, ohne mich zu verlieren.