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Mutters Hände von Michael Eschmann

Das Gedicht ist erschienen im Band „Tage kühl vom Regen umarmt“, erschienen bei 𝗥𝗮𝗹𝗳 𝗙𝗿𝗶𝗲𝗹 in dessen 𝗠𝗼𝗹𝗼𝗸𝗼𝗽𝗿𝗶𝗻𝘁-𝗩𝗲𝗿𝗹𝗮𝗴.Ein schlichtes, ehrliches Gedicht, das gerade durch seine Ruhe berührt. Es erzählt ohne Pathos von einem Wiedersehen, das längst vergangen ist. Die Sprache bleibt nüchtern, fast sachlich, und lässt so den Schmerz umso deutlicher spürbar werden. Die Hände…
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Armselige Geschöpfe von Ron Hard

Das Gedicht ist erschienen im Band „Der Schrei des Hummers“, erschienen bei 𝗥𝗮𝗹𝗳 𝗙𝗿𝗶𝗲𝗹 in dessen 𝗠𝗼𝗹𝗼𝗸𝗼𝗽𝗿𝗶𝗻𝘁-𝗩𝗲𝗿𝗹𝗮𝗴. Dieses Gedicht trifft nicht mit lauten Worten, sondern mit einer stillen, fast beiläufigen Verzweiflung. Es spricht aus, was viele fühlen, aber kaum zu denken wagen: dass das Leben uns weder sieht noch schuldet, dass Bedeutung eine menschliche Erfindung…
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Wirbel

Sie sitztStuhl fließtLicht kriecht über WändeTassen öffnen MünderTassen singenBücher flatternBücher fliegenFenster atmenSekunden tropfenMinuten klebenKatze läuft auf LuftKatze läuft auf WändenWände falten sichWände flüsternDie Sonne gießtTassen fangen TräumeTräume fallen in HändeTisch fließtTisch biegt sichLampe streckt Glühbirne wie ZungeStraßen rollenHäuser tanzenVielleicht ist alles ein FlussVielleicht ist alles ein GedankeVielleicht sind alle Dinge gleichzeitigVielleicht sind alle Dinge verschwundenVielleicht…
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Hommage an die Lyrik

Ich dachte lange, Lyrik sei nur weichgespült und nett. Also widmete ich mich lieber meiner Romanze, dem Thriller oder dem guten alten Groschenroman.Meine eigenen lyrischen Versuche versteckte ich wohlbehütet auf meinem Laptop, und doch fühlten sie sich immer wie ein geheimer Schatz an. Heute weiß ich, dass ich falsch lag.Heute weiß ich: Sie kann hart,…
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gang

wir wanderndurch endlose räumedie sich selbst verschiebenunter unseren schrittendie wände flüsternnamen, die wir vergessendie luft drücktdie zeit läuft rückwärtswer wir sindfragt niemandund wir selbstfinden keine antwortgedanken hängenwie schatten an der deckeziehen uns,reißen unsund lassen uns fallenmanchmal blinkt ein lichtdurch ein fenster, das nicht existiertwir greifen danachund greifen ins nichtsund wir gehen weiterdurch die stilledurch das…
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fetzen

ich weiß nicht mehr,wer angefangen hat –ich oder die stimme,die sagt,du bist nicht genug.tage ziehen,ich bleibe.irgendwo zwischenatem und aufgeben.zu laut,zu leer,zu sehr ich.alles,was ich anfasse,zerfällt.auch ich,manchmal.ich sage mir,es wird besser,aber die worteklingen hohl,wie gläser ohne wasser.nachts liege ich still,zähle das rauschen im ohr,nenne es leben.und hoffe,dass niemand fragt,wie es mir geht.
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fragen

wir stehenmitten im nichtssehen nur rissezwischen moment und morgenwer bin ichwenn alles fälltwenn namen verschwindenwenn zeit sich löstist das lebennur atmen und gehenoder etwas,das wir nicht greifen könnengedanken drehenkreise ohne bodenfragen schlagen wändehören nie aufund dochlaufen wir weiterfühlen,zweifeln,halten festwas wir kaum benennen könnenmanchmalein auge öffnet sichein licht,ein kurzer blickauf alles,was vielleicht trägtund wirwir atmen weiterund…
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unter strom

ich bin müde,aber der kopf läuft weiter.gedanken wie drähte,verwickelt,unter spannung.alles zu laut,selbst das schweigen.ich such den schalter,doch find nur mehr rauschen,mehr warum,mehr hätte.ich lächle,damit es keiner merkt,wie eng es wirdhinter der stirn.nachts spür ich das flimmern noch,unter der haut,zwischen den schlägen.es bleibt,aber ich auch.
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Verstand

Gedanken tanzenwie glitzernde Fädenin unendlichen SpinnwebenIch greife nach ihnendoch sie entgleitenmal scharf, mal mattmal laut, mal stummEr wägt, er prüft, er denktsetzt Grenzen, baut Mauernflüstert Warnung, schreit ZweifelUnd dochzwischen Zahlen, Regeln, Plänenliegt ein Raumin dem Stille atmetIntuition wächstich muss nicht denkenum zu wissenVerstand ist Werkzeugnicht Herrer leitet,aber hält nichtwas das Herz längst spürt