-
Zukunft in Klammern

Ich schreibe Zukunft immer noch in Klammern.(weil sie unsicher ist)(weil ich nie weiß,ob ich darin vorkomme)(weil ich gelernt habe,dass Pläne oft nur leise sterben)Ich sage nicht mehr„wenn ich groß bin“ –ich war’s schon,bevor ich durfte.Ich sage nicht mehr „später“ –später war immer für andere reserviert.Manchmal träume ich vom Morgen,und dann erschrecke ich,weil ich mich darin…
-
Man nannte mich Feigling

Man nannte mich Feigling,weil ich schwieg,meine Tränenin die Kissen biss. Man nannte mich Feigling,weil ich nicht weglief,nicht alles zerschlug,nicht laut „Genug!“ brüllte. Doch ich hielt ausmit einem Körper,der längstnicht mehr wollte. Ich trug das Gewichtvon allem Ungesagten.Ich war da –trotz allem. Feigling, sagten sie.Und ich blieb.Nicht weil ich schwach war,sondern weil ichniemandenallein lassen wollte.
-
Auf der Suche nach anderen Optionen

Ich wollte nicht fliehen,nur nicht ersticken.Ich wollte nicht kämpfen,nur atmen dürfen.Ich habe nicht gelogen,ich habe nur nicht alles gesagt.Nicht aus Bosheit.Aus Not.Aus Angst,die Wahrheit würde zerbrechen in euren Ohren.Ich war nicht mutlos,ich war erschöpft vom Versuch,es richtig zu machen in einem System,das mich falsch nennt.Ich habe die Regeln nicht gebrochen –sie waren nie für mich…
-
Sternschnuppe – wünsch dir was

Ich habe mich nicht getraut,einen großen Wunsch zu denken.Zu schwer,zu weit,zu unverschämt für den Himmel,der schon so viel schweigend getragen hat.Also habe ich die langen Listen im Kopf zusammengefaltet,alle Sätze gekürzt,bis nur noch ein Flüstern blieb.Kein „ewig“,kein „nie wieder“,kein „für immer“.Nur etwas,das leicht genug ist,um zu fallen,ohne den Boden zu zerbrechen:„Mach,dass ich morgen noch weitermachen…
-
Meine Version von Freiheit

Sie sieht nicht aus wie offene Felderoder ein Koffer am Bahnhof,der auf Züge wartet.Sie riecht nicht nach Meeresluft,und sie klingt nicht nach lauter Musikin einer Nacht,die niemand enden lässt.Meine Freiheit hat keinen Horizont.Sie passt in meine Hände,in diesen einen Atemzug,der nicht abbricht,wenn jemand den Raum betritt.Meine Freiheit ist ein Morgen,an dem ich nicht zuerst seinen…
-
Der Kleiderbügel

Er hing da.Zwischen den anderen.Knochig,leer,und er wusste,dass keiner kam,um ihn einzukleiden.Die Röcke waren gegangen,einer nach dem anderen,mit neuen Besitzern,neuen Anlässen.Er blieb.Nackt.Ein Stück Draht mit Erinnerung.Und er fragte sich,ob es schlimmer war,keine Aufgabe mehr zu haben –oder zu wissen,dass man sie einmal hatte.
-
Und sie träumen weiter

Es gibt Nächte,in denen die Kindergrößere Flügel haben als wir je hatten.Sie schlafenmit offenen Händen,als wollten sie alles empfangen,was wir nie zu halten wagten.Ihre Träumegehen weiter als die Straßen,die wir kennen.Dorthin,wo keine Türen klemmenund keine Stimmendie Luft schwer machen.Sie malenmit geschlossenen Augeneine Welt,in der niemand sagen muss:„Ich habe Angst.“In der jedes Lacheneinen Platz hatund kein…
-
Ablenkungsstern

Ich wollte Mathe machen.Jetzt male ich den Rand des Heftsin Regenbogenfarbenund frage mich,warum Bleistifte so gut riechen. Der Lehrer redetüber Brüche –ich rechne,wie viele Sekundenbis zur Pause. Mein Bein wippt.Mein Kopf springt.Mein Herz rennt schon voraus. Gestern wollte ich„nur kurz“mein Zimmer aufräumen.Jetzt stehenalle Schubladen offenund irgendwo dazwischenliegt mein Haustürschlüsseloder mein Gedankeoder beides. Mama sagt:„Du musst…
-
Sternschnuppe – wünsch dir was

Ich habe mich nicht getraut,einen großen Wunsch zu denken.Zu schwer,zu weit,zu unverschämtfür den Himmel,der schon so vielschweigend getragen hat.Also habe ichdie langen Listenim Kopf zusammengefaltet,alle Sätze gekürzt,bis nur nochein Flüstern blieb.Kein „ewig“,kein „nie wieder“,kein „für immer“.Nur etwas,das leicht genug ist,um zu fallen,ohne den Boden zu zerbrechen:„Mach,dass ichmorgen nochweitermachen kann.“Und als der Lichtstreifzwischen den Sternenverblasste,wusste ich…
-
Ich, in der Ecke

Sie sagten später: Du hast dich zurückgezogen.Aber sie sahen nicht,wie die Wand sich um mich schloss.Ich war kein Mensch mehr,nur Fläche.Ein Rand.Eine Silhouette aus Angst und Tarnung.Ich lernte,wie man sich unsichtbar atmet.Wie man schweigt,ohne je gefragt zu werden.Die Ecke war kein Ort.Sie war ein Befehl.Und ich wargehorsam.